Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung verringert Armutsrisiko von jungen Eltern
Im neuen Policy Brief der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen werden die Faktoren untersucht, um das Armutsrisiko von jungen Eltern zu reduzieren. Die Autorinnen fordern einen Ausbau an Betreuungsplätzen beziehungsweise einen prioritären Zugang für junge Eltern. Darüber hinaus ist es für kibesuisse wichtig, dass die Angebote der familienergänzenden Bildung und Betreuung finanzierbar sind. Dafür braucht es Investitionen in die Qualität der Angebote.
Der neue Policy Brief der Eidgenössischen Kommission für Familienfragen (EKFF) «Soziale Realitäten von jugendlichen und jungen Eltern in der Schweiz» geht auf die spezifischen Schwierigkeiten ein, mit denen junge Eltern in der Schweiz konfrontiert sind. Dies sind unter anderem die Wohnsituation, die finanziellen Mittel oder die Vereinbarkeit von Familie und Ausbildung. Die zwei Autorinnen Michèle Theytaz Granjean und Karine Rossel unterstreichen darin, wie wichtig es ist, diesen Eltern den Zugang zu einer Ausbildung und den Erwerb eines Abschlusses zu erleichtern, um mittel- und langfristig Armutsrisiken vorzubeugen.
Einkommen der jungen Eltern soll für die Tarife entscheidend sein
An erster Stelle innerhalb der präsentierten Lösungsvorschläge sehen Theytaz Granjean und Rossel eine gesicherte familienergänzende Bildung und Betreuung. Sie sind überzeugt, dass eine allgemeine Erhöhung der Anzahl Kinderbetreuungsplätze mehr jungen Eltern ermöglichen würde, eine Ausbildung zu absolvieren. Bis eine solche strukturelle Verbesserung erreicht ist, würde ein prioritärer Zugang zu Betreuungsangeboten die Chancengleichheit von jungen Eltern fördern. Zudem wäre es wünschenswert, die einkommensabhängigen Tarife in der institutionellen Bildung und Betreuung ausschliesslich nach dem Einkommen der jungen Eltern, ohne Miteinbezug des Einkommens ihrer eigenen Eltern, zu bemessen.
Schweiz liegt europaweit an der Spitze bei den Betreuungskosten
kibesuisse unterstützt ausdrücklich die im Policy Brief festgehaltenen Forderungen. Aus Sicht des Verbandes spielt jedoch nicht nur der blosse Ausbau von Betreuungsplätzen eine Rolle, sondern auch die Finanzierbarkeit der Angebote der familienergänzenden Bildung und Betreuung. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen ist vor allem eine Frage der Kosten. Von allen europäischen OECD-Ländern liegt die Schweiz bei den Kosten für die familienergänzende Bildung und Betreuung an der Spitze. Rechnet man mit einem Durchschnittseinkommen, wird bei Vollzeit erwerbstätigen Paaren mit einem Kind über ein Viertel des Haushaltseinkommens für die familienergänzende Bildung und Betreuung aufgewendet.
Qualität der Angebote muss ebenfalls finanziert werden
Um langfristig ein stabiles und bedarfsgerechtes Angebot an familienergänzender Bildung und Betreuung zu gewährleisten, fordert kibesuisse, dass die zuständigen Behörden Gesetze und Verordnungen so gestalten, dass nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Angebote finanziert wird. Investitionen in sowohl die Qualität als auch die Quantität der Angebote sowie niedrigere Elternbeiträge sollten mittel- und langfristig zu einer besseren Auslastung führen.